Baugenehmigungen steigen deutlich – Iran-Krieg belastet jedoch die Perspektiven
Baugenehmigungen steigen deutlich – Iran-Krieg belastet jedoch die Perspektiven
Der Wohnungsbau in Deutschland sendet erstmals seit längerer Zeit wieder positive Signale: Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Quartal 2026 spürbar gestiegen. Gleichzeitig sorgen jedoch die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für neue Unsicherheit in der Branche.
Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt, wurden allein im März bundesweit rund 21.800 Wohnungen in Neu- und Bestandsgebäuden genehmigt. Das entspricht einem Plus von 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Auch die Quartalsbilanz fällt positiv aus: Von Januar bis März 2026 wurden insgesamt etwa 63.500 Wohnungen genehmigt – ein Anstieg von 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich legten die Genehmigungen bei Zweifamilienhäusern zu, wo ein Plus von 23,2 Prozent verzeichnet wurde. Bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern betrug der Zuwachs 14,9 Prozent.
Die aktuellen Zahlen gelten als wichtiger Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten. Dennoch warnen Experten davor, die Entwicklung überzubewerten. Vor allem steigende Finanzierungskosten und höhere Baupreise könnten den beginnenden Aufschwung schnell wieder abbremsen.
Nach Einschätzung von Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, zeigt die deutsche Bauwirtschaft trotz des Iran-Kriegs bislang eine überraschend robuste Entwicklung. Gleichzeitig rechnet er jedoch damit, dass die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts die Erholung deutlich dämpfen werden.
So seien die Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite seit Anfang März bereits um rund 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Das verteuere Bauvorhaben erheblich. Hinzu komme die zunehmende Inflation: Wenn Haushalte aufgrund steigender Energiepreise weniger Kaufkraft zur Verfügung hätten, bleibe auch weniger finanzieller Spielraum für den Bau oder Kauf eines Eigenheims.
Darüber hinaus dürften höhere Energie- und Kraftstoffpreise mittelfristig auch die Baukosten weiter erhöhen. Bereits das aktuelle Niveau der Baugenehmigungen reiche laut Experten nicht aus, um den angespannten Wohnungsmarkt nachhaltig zu entlasten.
Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe mahnt zur Zurückhaltung. Um den tatsächlichen Bedarf zu decken, seien monatlich mindestens 10.000 zusätzliche Genehmigungen erforderlich, erklärte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Gleichzeitig erschwere die geopolitische Lage weiterhin die Rahmenbedingungen für Bauherren und Investoren. Fragilere Lieferketten, hohe Finanzierungskosten und wirtschaftliche Unsicherheit belasteten die Branche zusätzlich.
„Eine Genehmigung ist noch kein Spatenstich und erst recht keine fertige Wohnung“, betonte Pakleppa.
Die Entwicklung der Baugenehmigungen gilt als wichtiger Frühindikator für den Wohnungsbau. Denn Projekte, die heute nicht genehmigt werden, entstehen in den kommenden Jahren nicht. Besonders in Ballungsräumen bleibt bezahlbarer Wohnraum weiterhin knapp.
Die Bundesregierung versucht daher gegenzusteuern. Mit einem sogenannten „Bau-Turbo“ sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Zudem wurden Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder aktiviert, um neue Impulse für den Wohnungsbau zu setzen.
Quelle: handelsblatt.com

