Steigende Mieten

30.01.2026

Mieten steigen doppelt so stark wie die Inflation

Wer derzeit eine Wohnung sucht, trifft auf einen zunehmend angespannten Markt. Während die Mieten weiter steigen, geht das Angebot zurück. Vor allem in den Metropolen verschärfen sich die Bedingungen für Mieter spürbar.

Zum Jahresende 2025 haben die Angebotsmieten in Deutschland vielerorts deutlich angezogen. Im vierten Quartal lagen sie laut dem GREIX-Mietpreisindex um 4,5 Prozent über dem Vorjahresniveau – und damit rund doppelt so hoch wie die allgemeine Inflationsrate. Der Index wird vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) herausgegeben. Gegenüber dem dritten Quartal betrug der Anstieg in den 37 untersuchten Städten und Regionen 1,0 Prozent.

Befristete und möblierte Mietangebote auf Rekordniveau

Parallel zum Preisanstieg verändert sich die Struktur des Mietangebots. Der Anteil befristeter und möblierter Wohnungen ist 2025 bundesweit auf ein Rekordniveau gestiegen. Mehr als jedes sechste Inserat (17 Prozent) entfiel auf dieses Segment. In den acht größten deutschen Städten lag der Anteil bei nahezu einem Viertel, in München sogar bei rund einem Drittel.

„Wohnungssuchende haben es aktuell schwer“, erklärt Jonas Zdrzalek, Projektleiter des GREIX am IfW Kiel. „Das klassische Mietangebot geht zurück, die Preise steigen und die Konditionen werden durch befristete Verträge oder möblierte Wohnungen zunehmend restriktiver.“

Zahl der Mietinserate deutlich gesunken

Der GREIX-Mietpreisindex basiert auf der Auswertung von Angeboten aus mehr als 100 Immobilienplattformen und Maklerwebsites. Pro Quartal werden dabei über 60.000 Inserate analysiert.

In sieben der acht größten deutschen Städte stiegen die Angebotsmieten im Quartalsvergleich. Besonders stark fiel der Anstieg in Köln mit 3,4 Prozent und München mit 1,9 Prozent aus. In Hamburg und Frankfurt lagen die Zuwächse mit rund einem Prozent etwa im bundesweiten Durchschnitt.

Die höchsten durchschnittlichen Kaltmieten wurden erneut in München mit 23,35 Euro pro Quadratmeter festgestellt, gefolgt von Frankfurt mit 17,36 Euro. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt lag bei 14,41 Euro je Quadratmeter. Insgesamt sind die Angebotsmieten seit 2015 um 14 Prozent stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung.

„Gerade bei Neuvermietungen in Großstädten stoßen Geringverdiener sowie Menschen in Ausbildung oder Studium zunehmend an ihre finanziellen Grenzen“, so Zdrzalek.

Zusätzlich verschärft sich die Lage durch ein sinkendes Angebot. Im vierten Quartal 2025 lag die Zahl der Inserate sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Vergleich zu 2015 ist das Mietangebot sogar um rund 20 Prozent zurückgegangen. Dies deutet darauf hin, dass viele Mieter ihre bestehenden Verträge halten und Wohnungen zunehmend ohne öffentliche Inserate vergeben werden.

Mieten in fünf Jahren um über 40 Prozent gestiegen

Auch der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) verzeichnet einen deutlichen Mietanstieg. Im zweiten Halbjahr 2025 erhöhten sich die Angebotsmieten in den acht Metropolen – darunter Berlin, München, Stuttgart und Leipzig – im Durchschnitt um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch nicht nur in den Metropolen zogen die Mieten an: In kreisfreien Städten außerhalb der Ballungsräume stiegen sie um 3,4 Prozent, in Landkreisen sogar um 4,4 Prozent. Besonders stark entwickelten sich weiterhin die Angebotsmieten für Neubauwohnungen, auch wenn das Wachstum etwas geringer ausfiel als im Vorjahr. Grundlage der Analyse waren rund 35.000 Mietangebote.

Für das laufende Jahr erwartet JLL keine grundlegende Trendwende. Allerdings könnten sich sehr hohe Mieten zunehmend schwerer durchsetzen, da der Markt – insbesondere im Premiumsegment – an seine Belastungsgrenzen stoße. Über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet sind die Mieten in den Metropolen bereits um mehr als 42 Prozent gestiegen.

(Quelle: stuttgarter-nachrichten.de und focus.de)

Philip Krauss

Immobilienexperte aus Stuttgart