Wohnungsneubau droht weiter einzubrechen

06.07.2026

Wohnungsneubau droht weiter einzubrechen

Der Wohnungsneubau in Deutschland bleibt weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Nach Einschätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) wird sich die Situation im Jahr 2026 weiter verschärfen. Der Verband warnt vor einem drohenden „Kollaps“ des Wohnungsneubaus.

Nachdem bereits im Jahr 2025 mit rund 206.600 fertiggestellten Wohnungen der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht wurde, rechnet der GdW für das laufende Jahr mit lediglich etwa 200.000 neuen Wohnungen. Dem gegenüber steht ein jährlicher Bedarf von rund 320.000 Wohnungen, um der anhaltend hohen Nachfrage gerecht zu werden.

Als Hauptursachen nennt der Verband die weiterhin hohen Bau- und Finanzierungskosten sowie die erheblichen Investitionen, die Wohnungsunternehmen in den bestehenden Gebäudebestand leisten müssen. Maßnahmen für den Klimaschutz, die energetische Modernisierung, den altersgerechten Umbau und die Digitalisierung binden zunehmend finanzielle Mittel, die anschließend für den Neubau fehlen.

Insgesamt investierten die Mitgliedsunternehmen des GdW im Jahr 2025 rund 20,8 Milliarden Euro. Davon flossen 12,7 Milliarden Euro in den Erhalt und die Modernisierung bestehender Immobilien. Für den Neubau standen lediglich 8,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Für das Jahr 2026 erwartet der Verband einen weiteren Rückgang der Neubauinvestitionen um rund 26 Prozent auf nur noch etwa 6 Milliarden Euro.

Besonders betroffen ist die sozialorientierte Wohnungswirtschaft. Nach rund 24.000 fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr werden die Mitgliedsunternehmen des GdW im Jahr 2026 voraussichtlich nur noch etwa 16.000 Wohnungen errichten. GdW-Präsident Axel Gedaschko sieht darin ein deutliches Warnsignal: Wenn selbst Unternehmen, die dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen, ihre Neubautätigkeit massiv reduzieren müssten, funktioniere das bestehende System nicht mehr.

Die Bundesregierung hat inzwischen verschiedene Maßnahmen angekündigt, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. So soll der Wohnungsbau im Baurecht künftig Vorrang erhalten und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Darüber hinaus arbeitet das Bundesbauministerium am sogenannten Gebäudetyp E, einem vereinfachten Baustandard, der durch weniger bürokratische Anforderungen und geringere Baukosten den Neubau wirtschaftlicher machen soll.

Der GdW vertritt rund 3.000 Wohnungsunternehmen mit etwa 13 Millionen Mieterinnen und Mietern. Nach Angaben des Verbandes lag die durchschnittliche Nettokaltmiete seiner Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr bei 6,93 Euro pro Quadratmeter und damit weiterhin deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 7,76 Euro pro Quadratmeter.

Ob die angekündigten politischen Maßnahmen ausreichen, um den Wohnungsbau nachhaltig zu beleben, bleibt jedoch abzuwarten. Nach Einschätzung der Branche besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf, um die wachsende Lücke zwischen Wohnungsbedarf und Neubautätigkeit zu schließen.

Quelle: wiwo.de

Philip Krauss

Immobilienexperte aus Stuttgart